Did you ever recycle feelings ?

Mit 19 Jahren, direkt nach dem Abi, konnte ich nichts mehr erwarten als die lange zu klein gewordene Heimatstadt Köln zu verlassen und auf Abenteuer Suche zu gehen: Natürlich musste es Amerika sein, welches Land taugt besser als plakativer Sehnsuchtsort für teenage girls. Ich reiste also für drei Monate durch die Staaten, begierig nach neuen Menschen, vollbeladenen Tagen und noch volleren Nächten. Ich fand, was ich suchte und noch mehr – und mein sehr voller Kopf und mein noch volleres Herz waren gleichermaßen erleichtert über den London-Puffer, den ich British Airways sei dank zwischen New York City und Köln legen musste.

Diese Woche in London ist mir abhanden gekommen, ich erinnere mich an kaum etwas. Außer: Möhren. Ich war so abgebrannt, dass ich eine Woche lang nur Möhren mit Quark aß und ausgemergelt bis auf die Knochen nach Köln zurückkam. Und: Das 2 Pfund 99 Sonnenstudio. Ich war zwei mal auf der Sonnenbank um die Ecke meiner Wohnung (wo hab’ ich eigentlich überhaupt gewohnt ?); aus irgendeinem Grund dachte ich, mein Möhren-Ausgemergelt-Sein würde vielleicht bei gesunder Hautfarbe weniger auffallen.

Aber vor allem erinnere ich: The House of Viktor & Rolf – die erste Ausstellung von und über das Designer Paar, etagenweise Kreationen von Beginn ihres Schaffens bis zum Tag der Ausstellung. Ich verbrachte einen ganzen Tag zwischen den Puppen und Installationen, den Schleifen, den Seltsamheiten, der Extravaganz. Ich war verliebt.

Bisher dachte ich immer, mir nicht so viel aus Mode zu machen, aber dort begriff ich meine bisherige Ignoranz und dass Mode in Wahrheit Kunst ist.

Nach Hause zurückgekehrt musste ich mich erstmal von meinem Freund trennen und nach Berlin ziehen (auch so eine Teenager Sehnsuchtsachse, aber ich wollte wohl vor allem schnell wieder weg, egal wohin), und dazu noch eine wilde Ex Geschichte aufwärmen. Dieser Ex, meine Jugendliebe, kam mich in meiner neuen Wahlheimat besuchen, aber der kurze Versuch, die ehemalige Beziehung in ein neues Gefühl, ein neues Leben und eine neue Stadt zu recyclen, scheiterte schnell und heftig.

 

Nun also, genau zehn Jahre nach London, stehe ich wieder vor ausgestellten Viktor & Rolf Kleidern – ausgerechnet für Zalando. Zalando, der Inbegriff von Fast Fashion und damit so ziemlich allem, wogegen Thekla und ich seit Jahren Kleiderei setzen. Und ich ertappe mich dabei, dass ich Idee und Kollektion cool finde. Ich finde es schlau, ich finde es hübsch und ich finde es ziemlich future. Die limitierte Kollektion wurde aus Überbeständen aus Zalandos letzten Kollektionen (davon dürfte wohl mehr als genug vorhanden sein) recycelt und wenn das hier die erste Idee des Moderiesen für mehr Nachhaltigkeit, oder überhaupt mal Nachhaltigkeit, ist, dann glaube ich, können wir alle gespannt sein, wie es weitergeht – und wie sich unser Verständnis von Modekonsum in großem Stile verändern könnte.

Durch Textilriesen wie Zalando und gerade zeitgleich Tchibo, die in Kooperation mit kilenda.de nun erste Versuchsschritte in den Textil-Mietmarkt gehen, könnte Kreislaufdenken aus der Nische zur Norm werden.

Die Zeit scheint reif; der Ex, dessen Recycling 2008 noch unmöglich schien, und ich haben im letzten Jahr eine neue Form gefunden: Freundschaft. Der Trick ist hier wie dort ganz einfach: nicht bloß das Alte kopieren, sondern etwas ganz Neues aus dem Alten erschaffen.

 

– Pola Fendel –

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