Did you ever actually look at yourself?

Es riecht warm, nach einer Mischung aus Mandelmilch und Bad Reiniger. Durch den Dunst steige ich die Stufe der Dusche hinunter und trockne mich ab. Aus der Ecke schaut mich mein pinker Mülleimer neckend an, während ich mit meiner Hand nach meinem kleinen, grünen Handspiegel greife. Mein Handspiegel, den mir meine Mutter vor Jahren gab und der in der Mitte durchbrach. Eine Hälfte, immer dabei. Eine Mischung aus zufälligem und gutem Produktdesign, wie gemacht für Werbegeschenke, die einen nie verlassen. Ich streife mein Handtuch ab und lege es auf meine Waschmaschine. Den Handspiegel in der rechten Hand hebe ich langsam mein linkes Bein auf die Kloschüssel und schaue mich im Spiegel an.

Miranda: Charlotte you’ve never looked at yourself with a hand mirror? Samantha: Oh my god! Honey, I insist you go home right now and take a look or better yet take my compact and make a quick trip to the ladies room. Charlotte: I don’t want to look. I think it’s ugly.
Miranda: Well, maybe that’s why its depressed.

Das erste Mal, dass ich mich bewusst mit meinem Geschlecht auseinandergesetzt habe, war als ich mit 5 das erste Mal masturbierte. Ich legte ich mich bäuchlings auf ein Kissen und rieb mich daran. Während andere Kinder sich mit Doktorspielchen beschäftigten, begründete ich damals eine neue Sport Art und sorgte damit für generelle Belustigung in meiner Familie. Ungeniert wurden das auch Jahre später bei Tisch geteilt und obschon dies im Lichte meiner naiven Unwissenheit geschah, schoss mir die Schamesröte immer wieder bis tief in den Haaransatz. Ein paar Jahre und Reifegrade später, begab ich wieder auf eine Selbstexpedition. Ich war dreizehn, hatte die Bravo gekauft und studierte auch hier wieder die Dr.Sommer Fragen, bei denen unter anderem wieder die Selbstbefriedigung per Duschkopf besprochen wurde. Der Moment, in dem ich beschloss es ausprobieren zu wollen, fühlte sich so an als ob ich etwas rebellisches, verbotenes machen würde. Wie das erste Mal Kondome bei DM kaufen. So ging ich in unser Badezimmer, verschloss gründlich die Tür und begab mich daran den Duschkopf in meine Vagina einführen zu wollen. Das zum Thema Details und Dr. Sommer. Den Ausgang dieses Selberversuches behalte ich euch mal vor. Das war vermutlich das letzte Mal, für längere Zeit, dass ich mich mit meinem Körper so auseinandergesetzt habe. Nicht weil dieser Selbstversuch ein wenig nach hinten losging, sondern weil lange diese Erinnerungen Unbehagen in mir auslösten, so dass ich niemandem davon erzählte oder erzählen wollte. In den Zeiten, als ich eigentlich anfing, mich bewusst mit Sexualität zu beschäftigen, wollte ich mich mit meiner eigenen nicht so recht auseinandersetzen. Weil ich mich für mich schämte. So wie wir uns für den Bauchspeck schämen, der zu viel ist und leicht über den Hosenbund rutscht. Oder unsere kleinen Brüste, die (k)eine handvoll sind. Oder die nicht perfekt enthaarte Pussy, die dann deswegen nicht geleckt werden kann oder soll. Bei YouPorn sehen die ja schließlich auch nicht so aus, oder?

Oder wie wir nicht einmal wirklich wissen, wie unser Geschlecht aussieht, sich anfühlt, sich gut fühlt.

Mein Plädoyer ist dabei nicht an ein Geschlecht im speziellen gerichtet, sondern an die Sexualität im allgemeinen und den Umgang damit. Meine ersten sexuellen

Erfahrungen, in denen ich mich lehrte, das andere Geschlecht zu erkunden, ohne mit mir selber in Einklang zu sein. Zu urteilen, mich verurteilen zu lassen, zu predigen und mich predigen zu lassen. Ohne den Blick auf mich zu richten, mich zu sehen, auf das Wesentliche zu richten. Kann ich denn ein Mensch, eine Frau sein, die vermeintlich stark ist, die sich für sich selber einsetzt, die ihren Mann steht, wenn mich selber nicht mal genau kenne?

Deswegen zurück zum Anfang und meine Frage an euch: Did you ever actually look at yourself?

– Kristina Jovanovic –

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